Park Nells Ländchen

Im äußeren Norden der Stadt wird ein Besuch im angrenzenden Park „Nells Ländchen“ zu einem abwechslungsreichen Erlebnis.
Zeugnisse vergangener Epochen öffnen uns die Augen für Eigenheiten früherer Zeiten: Ein historischer Park in frühromantisch englisch-holländischem Stil, der bei aller Natürlichkeit aber auch die ästhetischen Erwartungen erfüllt, gleichzeitig aber auch ein verändertes Gartenkunstempfinden mit beginnendem 18. Jahrhundert ablesen lässt. Es war die Epoche, in der ein Wandel erkennbar wurde, die Gartenkunst aus den jahrtausende alten Fesseln der geometrischen Formgebung zu befreien. Es war die Zeit einer gelösten, ungehemmten Entfaltung einer großartigen, originellen Natur.

An die Stelle geometrischer Becken und Kaskaden treten gewundene Bachläufe, die in stille Teiche münden, auf deren Silberspiegel weiße Nymphäenblüten schaukeln und die schöngeformten baum- und rhododendronbestandenen Inseln mit leichtem Wellenschlag umfluten. Auf dem Wasser begegnen sich Gondeln, in welchen an heißen Tagen Kühlung suchende Menschen der Zeit entflohen. Anstelle geradliniger Alleen führten nun verschlungene Wege über Brückchen mit grazil dekorierten Geländern, vorbei an romantischen Kiosken, und von erhabenen Sockeln blickten farbgetönte Gartenfiguren herab. Es fehlte auch nicht an einer Einsiedelei, die so ganz typisch für die Zeit der Entstehung als Parkidyll und heute noch als Mühlchen erhalten ist.

Der Park trägt den Namen seines Schöpfers und Finanziers Nikolaus von Nell, Kanonikus am Stift von St. Paulin, der die Ländereien aus dem Besitz des Deutschherrenordens erwarb.
Das durch die Wasser des Grünebergs und des Avelerbaches, der von Tarforst kommt, ständig überflutete Land wurde teilweise trockengelegt. In Gräben wurde das Wasser zur Mosel abgeleitet. So entstanden Teiche und Inseln. Mit der Anlage des Parks und der Nutzgärten verbindet sich auch der Name Gotthard, eines Trierer Gärtners, der seine berufliche Erfahrung aus Holland in die Dienste von Nells stellte.

Der Park wurde 1801 fertiggestellt. Eine authentisch ausführliche Schilderung der Sehenswürdigkeiten verdanken wir dem Pariser Staatsarchivar Armand Gaston Camus, der die von Frankreich annektierte Provinz besuchte und sowohl die Schönheit des Parks als auch seinen Schöpfer von Nell, als einen von der Gärtnerei mit Leidenschaft eingenommenen Mann, gebührend lobte. Zu den legendären Überlieferungen könnte man den Besuch Napoleons im Park einordnen, der in Anerkennung für seine Leistung dem erwähnten Gärtner Gotthard ein Tafelservice aus Frankreich übersenden ließ.

Trotz mancher Änderung im Laufe von 200 Jahren hat sich Nells Ländchen aber vieles von seiner Ursprünglichkeit und Originalität bewahrt.